Nun liegt unsere Winterferienwerkstatt »Haus der Zeit« schon einige Monate zurück, vergessen werden wir sie aber noch lange nicht. In der Woche vom 3. – 8. Februar 2020 haben 60 Kinder und Jugendliche in unterschiedlichen Laboren zum Thema Zeit geforscht. Am Ende wurden die verschiedenen Ergebnisse vor Publikum feierlich präsentiert. Um die Erinnerungen an diese außergewöhnliche Woche noch einmal zu reaktivieren, folgen hier einige Eindrücke aus unserem »Haus der Zeit«.


Komplett lesen oder direkt zu Labor 1+2, Labor 3, Labor 4, Labor 5 und Labor 6.


Labor 1 und 2, mit dem Namen »Zeitranger«, beschäftigte sich mit Zeit und Musik. Dabei haben sich 20 Kinder rhythmisch und musikalisch ausprobiert. Mit Hilfe der Musik sollte in kleinen Szenen die Zeit befreit oder sichtbar gemacht werden. Durch zum Beispiel eine musikalische Phantasiereise oder Klangsuche im Raum wurde die Gruppe mit den Werkzeugen der Musik vertraut gemacht und zum eigenen Experimentieren animiert. Entstanden sind kleine Geschichten, in welchen sich die Kindern experimentell, mit Geräuschen und Klängen, mit der Frage auseinander setzten, wie Zeit aussieht. Dabei hat das Labor das ganze 4. Obergeschoss in Beschlag genommen. Jeder der 3 Räume war anders gestaltet: einer ganz in Weiß und Silber, einer in Dschungelgrün, der nächste mit einer Wand voller verschiedener Uhren und Zeitmesser. Ein ganzer großer Abenteuerparcours für uns und die Zeit!

Jugendliche im Zeitlabor

»Mir hat das freie Probieren der Kinder gefallen, als schon einige Tage vergangen waren und das Haus der Zeit, wie eine kleine geschützte Welt war. Ein sicherer Raum, in dem die Phantasie angeregt war und ich gemerkt habe, dass die Kinder über ihre Grenzen hinaus gehen und Dinge ausprobieren, die sie zuvor nicht gesagt haben oder womit sie sich in einem anderen Raum vielleicht unwohl fühlen würden.« 
– Marisa Westermeyer, Laborbegleiterin


Jugendliche im Zeitlabor

»Mich hat die Unterschiedlichkeit der Menschen in der Gruppe begeistert und die Akzeptanz dieser Unterschiedlichkeit.«
– Marisa Westermeyer, Laborbegleiterin



In Labor 3, »Vorbeigehende Götter«, sind die Teilnehmenden während der Laborwoche in die Rollen von mythischen Gottheiten geschlüpft, die Teilaspekte des Phänomens Zeit repräsentierten. Dafür wurde die Zeit von den Kindern begrifflich in ihre Einzelteile zerlegt, um sich dieser zu bemächtigten. Aus der Perspektive der selbstgewählten Rolle heraus, erkundeten sie spielerisch, bildkünstlerisch, performativ und intellektuell das Thema Zeit und die nähere Umgebung gleich mit.

Jugendliche im Zeitlabor»Die Kinder hatten Freude daran, gemeinsam mit uns und in der Gruppe ihre Rolle zu konzipieren und investierten darin sehr viel Zeit und Mühe. Das Kostümieren und das Schminken hat gut funktioniert und ihnen großen Spaß gemacht.« – Rudi Keiler Gomez, Laborleiter


Jugendliche im Zeitlabor

»Uns hat beeindruckt, dass die Kinder viel Spaß hatten und auch die Eltern am Ende der Woche an uns herangetragen haben, dass ihre Kinder sehr gerne zu uns gekommen sind. Tatsächlich waren alle unsere Teilnehmenden jeden Tag da und sogar pünktlich.« – Rudi Keiler Gomez, Laborleiter     

»Besonders wichtig ist es, auf Dinge, die nicht auf Anhieb klappen, zu reagieren und ursprüngliche Ideen nicht auf Biegen und Brechen durchzusetzen.«  – Rudi Keiler Gomez, Laborleiter


Die grundsätzliche Idee in Labor 4 beschäftigte sich mit Auszeiten im Wettrennen gegen die Zeit. In der Woche sollten die Kinder auf spielerische und körperliche Weise das Zeitphänomen erleben und in Frage stellen können. Das Labor »Auszeiten« arbeitete für die Präsentation an verschiedenen Gefühlen und Impressionen von Zeit. Entstanden ist ein Parcours, in dem die Zuschauer*innen  und Teilnehmenden ihre eigenen Erfahrungen mit der Zeit machen können.

Jugendliche im Zeitlabor

»Das Spiegelbild, was gerade die Kleinsten einem vorhalten, ist hervorragend für den eigenen Reflexionsprozess. Ich hab die Zeit mit den Kids sehr genossen.«
– Jelka Kretzschmar, Laborleiterin

Jugendliche im Zeitlabor

»Es war schwer für die Teilnehmer*innen zu verstehen, dass wir kein konventionelles Theater mit Hauptrollen spielen und nicht jede*r auf die Bühne muss.«
– Jelka Kretzschmar, Laborleiterin


Die Idee von Labor 5, »Der Lauf der Dinge“, bestand darin, eine Abfolge physikalischer Ursache-Wirkung-Ketten mit Alltagsmaterialen, Müll und aus Requisiten zu bauen. Also einen »Lauf der Dinge«. Im Prinzip eine ganz eigene erbaute Uhr. Die Kinder werkelten von morgens bis abends.

Jugendliche im Zeitlabor

»Das Labor war tatsächlich eine große Tüftlerwerkstatt.«
– Lajos Talamonti, Laborleiter

 

 

»Noch nie war ein Arbeitsprozess so filigran und wurde bei der kleinsten Unaufmerksamkeit bitter bestraft. Im Feld waren ca. 1000 Dominosteine aus wackeligem Plastik. Allein hier kam es zu schlimm-lustvollen Verwüstungen.« – Lajos Talamonti, Laborleiter

Jugendlicher in Zeitlabor


Das Labor 6, mit dem Namen »Zeit-Lupe-Loop«, war ein theatralisches Forschungsexperiment, in dem die Teilnehmer*innen den Ursprung der Zeit in Frage stellten. Ein Staubsauger, ein Scheinwerfer und ein Skateboard. Was kann man damit erzählen? Mit einem hochqualifizierten Team von Zeit-Spieler*innen, Zeit-Techniker*innen und Zeit-Bildner*innen de-konstruierte und re-konstruierte Labor 6 seine Beobachtungen und fand dafür neue Interpretationen, die zu wieder weiteren Fragen führten, und die Antworten darauf wiederum zu neuen Fragen usw.

Jugendliche in Zeitlabor»Unsere Idee hat sich eingelöst, sie ist expandiert, ohne den Zusammenhang zu verlieren, gleichzeitig ist sie explodiert und ist in unerwartete Richtungen geflogen.«
– Chiara Galesi, Laborleiterin

Jugendliche in Zeitlaboren

 

 

»Eine alles-außer-ordentlich Collage.«
– Chiara Galesi, Laborleiterin

 

 

Lest hier die Texte, die in Labor 6 entstanden sind:

Aber rund um die Zeit, die in den Laboren verbracht wurde, war noch mehr …

Party bei Haus der ZeitZwischen dem Tüfteln in den jeweiligen Laboren konnten sich alle Teilnehmenden über die Gruppen hinaus bei dem täglichen, gemeinsamen Mittagessen kennenlernen und über ihre Erfahrungen der Tage austauschen. Das Essen war dabei nur Nebensache. Die einstündige Pause wurde nämlich eher dafür genutzt, um zu toben und zu lachen, zu quatschen und das Haus zu erkunden.

Mattias De Craene An zwei Abenden konnten die Teilnehmenden zum Ausklang der Musik von Mattias De Craene und den philosophischen Texten über die Zeit von Pieter de Buysser lauschen. Eingekuschelt in Sitzsäcken und mit einer Kleinigkeit zum Essen, entstand eine ausgelassene Atmosphäre.

Das Team des Büros für offene Fragen stand allen Teilnehmenden mit Rat und Tat zur Seite und versorgten alle zwischendurch mit Snacks und Getränken. Falls es in den Laboren an Materialien mangelte oder doch der ein oder andere Wunsch noch dazu kam, war das Team sofort zur Stelle.

Team Büro der offenen Fragen

Wir hoffen, dass alle Teilnehmenden das »Haus der Zeit« in so guter Erinnerung behalten wie wir, dass der Forscherdrang aller Beteiligten anhält und dass er mit der Zeit vielleicht sogar wächst.

Künstlerische Leitung: Karola Marsch
Idee: Karola Marsch & Pieter de Buysser
Text + Performance: Pieter de Buysser
Musik + Performance: Matthias de Craene
Wissenschaftliche Beratung: Henrik Adler
Produktionsleitung: Ronja Losert
Assistent*innen der Produktionsleitung: Laurenz Henkel, Hanna Krämer, Sarah Hoemske
Ausstattung der Foyers: Jana Donis
Dokumentation: Imaya Ugwonno, Anna Kentgens

Labor 1+2: Hauen und Stechen (Musiktheaterkollektiv), Marisa Westermeyer (Theaterpädagogin), Ronja Wieltsch (Theaterpädagogin)
Labor 3: Rudi Keiler Gomez de Mello (Philosoph, Theatermacher), Susanne Wilk (Kostüm- und Bühnenbildnerin), Ceren Kurutan (Dramaturgin)
Labor 4: Jelka Kretzschmar (Künstlerin), Senia Hasičević (Dramaturgin)
Labor 5: Lajos Talamonti (Performer, Regisseur), Uta Sewering (Theaterpädagogin)
Labor 6: Chiara Galesi (Theatermacherin), Meike Krämer (Theaterpädagogin)

Wir danken unseren Expert*innen und Gästen im »Haus der Zeit«: Gerrit von Jorck, Julian Miczajka, Uwe Gössel, Vera Maria Kremers, Wolfgang Sewering, Zé de Paiva, Henrik Adler, Annika Titzmann, Ilonka Schrön, Pieter de Buysser, Jürgen Kretzschmar, Theo Reisener, Dennis Starczewski, René Hannig, Steve Klingner, Thomas Bolatzky, Michaela Gabriel und allen anderen, die nicht wissen, dass sie beteiligt waren.

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